Selbstorganisiertes Komitee in Bremen und Bremerhaven gebildet
Initiative von Bremerhavener und Bremer Arbeitern gegen Änderungskündigungen führt zu Selbstorganisation und Solidarität
In Bremen und Bremerhaven gibt es den GHBV - Gesamthafenbetriebsverein - der Arbeiter im Hafenbereich beschäftigt. Hier vermuten einige Leser wahrscheinlich den vertrauensheischenden Arbeitgeber von einst aber weit gefehlt : Der GHBV arbeitet auch nicht mehr anders als eine ausbeuterische Zeitarbeitsfirma mit all ihren Tücken und Schlichen, die speziell auf Hafenbetriebe wie BLG die für Tchibo die Logistik übernehmen oder Mercedes und Daimler ausgerichtet ist. So monopolisiert der GHB (-V) und schafft eine große Kapitalakkumulation.
Davon spürten die Arbeiter bis lang allerdings nichts : Im Gegenteil - 2009 hagelte es Änderungskündigungen - Lohndumping von teilweise 13 € auf 9 € für 1110 Menschen alleine aus Bremen.
Am 11 Juli 2009 fand eine Gründungsveranstaltung statt auf der sich die Arbeiter von ihren Kollegen in ein Komittee zur Vertretung ihrer Rechte wählen ließen.
Einer dieser Arbeiter ist Marco Haar. Im Folgenden berichtet ein Interview vom 17 Februar 2010 über seine Erfahrungen mit dem Staat, den Gewerkschaften, der Finanz und der Selbstorganisation.
F: Ok, Marco, am Besten wärs wenn du dich kurz vorstellst und erzählst, was du für den GHB gearbeitet hast.
H: Mein Name ist Marco Haar, ich bin vom Komitee "Wir sind der GHB". Ich hab vor etwas als 6 Jahren beim GHB angefangen, hab bei Tchibo ertsmal in der Kontrolle gearbeitet.
Wo es bei Tchibo anfing vor etwas mehr als 4 Jahren neue Verträge zu geben, bin ich rübergewechselt ins Logistikcenter, da werden Mercedesteile verpackt. Da hab ich ne gewisse Zeit mit verpackt und bin rübergegangen in die Leergutabteilung.
Ich hab allgemein in allen Abteilungen in denen ich war viele neue Kollegen ausgebildet, damit die auch selbstständig arbeiten können und das ist eigentlich. Und LKWs be- und entladen mit Stapler. Das sind Sachen die ich so viel da gemacht hab, da.
F: ...und irgendwann habt ihr euch zusammengeschlossen und ein Komitee gegründet. Was ist dieses Komitee eigentlich und warum habt ihr euch organisiert ?
H: Ja, hm. Im Juli 2009 ging das los, das wir im Hafen in Bremerhaven und in Bremen zu ner Informationsveranstaltung erscheinen durften, wo gesagt wurd "rein informativ", als die Kollegen da aufgetaucht sind ham se denen Änderungskündigungen vorgelegt - auf 8 € - und das die nach Bremen fahren durften, die Bremerhavener, die Bremer dürfen natürlich nach Bremerhaven fahren - kriegen dementsprechend nen Vertrag für die andere Stadt, damit keine fahrtkosten übernommen werden müssen - auch einen Sozialplan haben die erarbeitet gehabt für diesen Termin, den se aber noch nich mal öffentlich gemacht haben, sondern erst mit Druck vom Anwalt.
Daraufhin haben sich die Leute überlegt "unsere Gewerkschaft tut da nix für uns", "Unser Betriebsrat / Vertrauensleute - sind zwar einige dabei die kämpferisch warn, die ham aber Maulkorb vonner Firma bekommen, die nich richtig tun und machen, wie es sinnvoll gewesen wäre, also ham sich die Leute überlegt, "OK, da müssen wir selber was machen" und dementsprechend durften sich alle Kollegen, die wollten, mit ins Komittee reinwählen lassen, also man konnte selber sagen "Ich will mitmachen" und wurden die von den Leuten die da anwesend waren und GHB Mitarbeiter sind gesagt "Ja du darfst" und dannsind die Leute da eingetreten. Dann hamse deswegen in Bremerhaven mehrere Demos veranstaltet und da bin ich auf die Kollegen aufmerksam geworden, weil ich sonst auch nicht so den Kontakt nach Bremerhaven zu denen hatte. Ja da war noch Kollege Stephan zum Beispiel auch der jetzt auch im Komitee ist und dann ham wir den Bremerhavener Kollegen gesagt, son Komitee brauchen wir in Bremen auch, weil bei uns auch einiges im Busch ist und dann sind wir auch immer hingegenagen und ham die Kollegen vom Komitee unterstützt,ham auch uns wie gesagt an den Demos beteiligt ham Sachen zusammen ausgearbeitet und auch Änderungskündigungen zum ersten Oktober hin bekommen, im Bremer Bereich, das waren 1110 nur für den logistikbereich, also nich fürn Hafen sondern die Logistiksparte die im Logistikcenter bei Mercedes und im Tchibohochregallager, die mit Altverträgen die schon vor 4 Jahren die Billigtarife kamen, die hatten Schutz bis dahin, die waren also finanziell auch besser gestellt, die sind alle auf einen Schlag, auch in die neuen Z Tarife reingedrückt von 8 € bis 8€83 und ja dadurch ham wa in Bremen wo das öffentlich wurde das das so läuft auch ne Informationsveranstaltung gemacht, wo wir gesagt haben ok, wir erweitern das Komittee nach Bremen offiziell und alle die von GHB anwesend waren und wollten, konnten sich aufstellen und wurden auch mitgewählt, und dadurch ham wir die Erweiterung, dass es das Komittee in Bremen und Bremerhaven gibt und wir treffen uns meistens einmal die Woche arbeiten zusammen Flyer für Demos aus, gucken wo die Arbeitgeber irgendwelche Schlechtigkeiten im Hafen oder im Logistikcenter, Hochregallager vorhaben, das wir da gegen ankämpfen unter anderem ham die sich geweigert sich die Überstundenprozente auszuzahlen und dann ham wir den Kollegen gesagt, "reicht ne Reklamation ein", die wird beim ersten Mal abgelehnt, reicht sie ein zweites Mal ein, dann wird die immernoch abgelehnt und beim dritten Mal bekommt ihr euer Geld, weil ansonsten wissen se dass das vor Gericht geht und dann ham se verloren, und deshalb wird das beim dritten Mal bezahlt und das ham unsere Kollegen gemacht und aufgriund dieses öffentlichen Drucks ham Betriebsrat und Vertrauensleute es durchsetzen können das Ende des Jahres ein Schrieb rauskam und es wurde Ende des Jahres bei der Betriebsversammlung gesagt das ab Juli rückwirkend alle Überstundenprozente nachgezahlt werden. Aber sowas erreicht man nur durch Druck und viel harte Arbeit, weil freiwillig kam da gar nix, muss man dabei natürlich immer bedenken, man kann nich glauben, dass man an einem Tag alles verbessert was da schief läuft aber man sieht immer mal hier und da kleine Erfolge, wenigstens.
F: Selbstorganisation ist ein Wort, was ich oft auf eurer Internetseite gelesen habe und was du auch oft benutzt, kannst du dir vorstellen, dass das auch in anderen Lebensbereichen sinnvoll sein sollte ?
H: Natürlich, in der heutigen Zeit,is das eigentlich so, egal ob das die Politik oder die Wirtschaft, es wird einem immer vorgesagt "Hier so" auch mit den Wahlen, du wählst ne Partei und wenn die Bundeskanzler und Bundeskanzlerin stellen machen die für Deutschland Politik, ohne das der Bürger in Deutschland viel Einfluss dran nimmt.
hier is das einfach, da is der Bürger entmündigt, da entscheidet die Politik für uns.
Meistens so wie der Bürger das gar nicht will. So sieht man ja an den Hartz Vier Gesetzen da is ja nix dran koscher was die Tage wieder rauskam, dass die Rechnungsgrundlage nicht stimmt, dass die Kinder zu wenig Geld kriegen und im Prinzip auch, dass wir ins Deutschland auch nen vernünftigen Mindestlohn bräuchten und das man auch das wieder einführen das die Leute vonner Zeitarbeitsfirma keine eigenen Tarifverträge haben dürfen, sondern die müssen das Geld kriegen, die fest in der Firma arbeiten einfach die Spirale nach unten wegzukriegen.
Weil viele Firmen wie Schlecker und CO ja Festangestellte rausschmeißen und über Billigtarife der Zeitarbeitsfirmen die selben Leute und andere Leute wieder einstellen, also es is nich weniger Arbeit da, sondern die entsorgen nur ihre teuren Arbeitskräfte um mit Dumpinglöhnen Geld zu sparen. Und das darf einfach nicht sein weil, das sind Firmen die machen Gewinne und der Bürger wird beschissen und was ja auch noch so ist, bei den Niedrigtarifen kriegen die Leute HartzVierAufstockung nachher zum Lohn dazu und is das Problem, dass die Steuerzahler das subventionieren dass die Firmen Lohndumping, das wird vom Stuerzahler subventioniert und das geht gar nicht.
F: Ich möchte noch mal auf den Flyer der Demonstration in Bremen des GHBs zurückkommen.
"Willkommen in der Armut". Darauf sind der Betriebsrat des GHBV und die Gewerkschaft Verdi erwähnt - welche Rolle haben diese beiden übernommen, welche ja letztendlich dazu geführt hat, dass ihr euch selbst organisieren musstet ?
H: Das Problem war mit Verdi, wo das losging mit den Änderungskündigungen und so in Bremerhaven und in Bremen, da war en ziemlich ähnliches Muster, in Bremen gab es nen klenen Infoveranstaltung da wo man en bischen was gehört hat, da hätte ich mir auch mehr informationen gewünscht, in Bremerhaven hat sone information vorher gar nich statt gefunden, sondern da wurden se direkt hingebeten ihre Änderungskündigungen in Empfang zu nehmen, was bei einer "Infromationsveranstaltung" gar nicht zulässig ist, sondern hätte im prinzip vorher ne Informationsveranstaltung geben müssen und dann hätte man sagen können, dass alle Mann irgendwo erscheinen sollen um ihre Änderungskündigungen in Empfang zu nehmen. da waren viele Sachen die von rechtlicher Lage her gar nicht richtig waren. Da kommt mit zu, dass dieser Sozialplan, da sind ja diese Leute von Verdi mit, die das mit ausgearbeitet haben, und vom Betriebsrat und Vertrauensleute Körper sitzen auch viele in der Tarifkommission und haben dementsprechend diese neuen tarife ausgehandelt - also die wussten bescheid. Die haben ihre Kollegen zu spät, zu schlecht oder gar nicht informiert.Was natürlich nicht sein kann und darf, muss man mehr erwarten können. Die leute die demenstprechend ne Klage einreichen wollten und dann meinten "Verdi, ich bin doch Verdimitglied - wie sieht das aus mit nem rechtsbeistand? Was macht ihr da?" Da hat Verdi erstmal gesagt "Zum thema GHB sagen wir gar nix, das thema ist uns zu heiß" Da machten die nix - die wollten weder infos rechtsbeistand rausrücken, oder sagen was man selber machen kann. Auf viel Druck hin haben sie gesagt, wer unbedingt einen Anwalt haben will kann einen kriegen, aber einen den Verdi aussucht, Toll beim GHBV is ja ein Verein, in dem alle Einzelbetriebe wie BLG Eurogate sind die Besitzer und unter anderem auch die Gewerkschaft Verdi is Mitbesitzer so und wenn ich jetzt von Verdi nen verdieigenen Anwalt kriege is das natürlich klar, dann gehört der Anwalt eigentlich meinem Arbeitgeber und soll mich vor Geicht vertreten, das is natürlich zweifelhaft, ob da was sinnvolles bei rauskommt. Also das würd ich mal bezweifeln und deshalb ham natürlich viele leute geklagt und manche haben mit privatem Rechtsschutz geklagt, weil sie durch Verdi keinen richtigen Anwalt kriegen können, manche klagen auch selbstständig ohne dass se privaten Rechtsschutz haben und bezahlen aus eigener Tasche und so also dadurch wurde einem das Leben nur schwer gemacht. Denn muss man noch dazu sagen, dass Verdi letztes Jar wo diese ganzen Sachen waren, keine Warnstreiks in Auftrag gegeben hat und auch vom Betriebsrat kam da nich wirklich was, dass die mal Warndemos gemacht haben, das war alles von uns selbst organisiert. Erst jetzt in diesem jahr, wo das losgeht, dass sie von der BLG sagen, alle Leute die im Hafen arbeiten und dort Autos fahren kriegen nicht den alten Hafentarif sondern es gibt so nen neuen tarif den ham se bei 70 Zeitkräften eingeführt, der nennt sich Fahrerpool, kriegen die jetzt Festvertrag und nur noch 9 € und da wird jetzt vorrausgesetzt das alle GHB Kräfte wenn sie Autofahren, auch nur noch 9 € kriegen, wo da Leute bei sind, die seit über 20 Jahren unter den alten hafentarifen arbeiten und so zwischen 13 und 18 € kriegen, wenn die jetzt den ganzen Monat oder am besten das ganze Jahr durch für diese 9€ fahren sollen, können die nicht mal mehr ihre hauskredite abbezahlen, das heisst die müsen alle ihre Häuser verkaufen, wenn sie es rechtzeitig schaffen oder die gehen in die Zwangsversteigerung. Das ist ja das problem, dass durch die ganzen Änderungskündigungen von letztem jahr in Bremerhaven und Bremen ja schon massiv passieren wird wenn die Leute mehr Arbeitslosengeld kriegen, wie wenn se unter den neuen tarifen Vollzeit arbeiten gehen. das heisst die konnten die Änderungskündigung gar nicht annhemen, weil sie sie sich nicht leisten können.
Was dadurch auch entshet ist, die Leute die außerhalb wohnen und aufn Auto angewiesen sind, können am 20ten des monats nicht mehr zur Arbeit fahren, weil sie kein Geld mehr für Benzin haben. Dann gehen die zum Arzt, lassen sich den rest des Monats krankschreiben und gehen wenn sie wieder Geld bekommen haben, gehen sie wieder so lange das Geld reicht wieder arbeiten. Um wieder irgendwann zum Arzt gehen zu müssen, weil sie das Geld fürs Benzin nicht haben. Weil se gut knapp 1000 € netto verdien, wenn man weiter außerhalb wohnt, gehn noch 100 - 150 € für Spritkosten drauf, wenn man noch Hausabtrag hat, da bleibt eigentlich nix mehr übrig.
Selbst wenn man Hartz 4 Aufstockung bekommt hat man so wenig, dass man ab einem gewissen zeitpunkt des Monats nicht mehr genug Geld und es nicht leisten kann zur Arbeit zu gehen. Was eigentlich traurig ist.
F: Das ist wahrscheinlich auch so, dass auf den Leuten vom Komittee ein hoher sozialer und persönlicher Druck lastet, oder ?
H: Bei uns sind auch Kollegen bei die diese Ändrungskündigung angenommen haben und jetzt von Bremerhaven nach Bremen fahren sollen, müssen für diese 8€ und die haben, weil die Anwälte denen geraten haben bei der klage, wenn man die Änderungskündigung unter Vorbehalt annimmt wäre das besser, was sich jetzt als trugschluss erachtet hat, das macht eigentlich keinen Unterschied, bloß das Leute jetzt ja, teilweise 1000 bis 800 € Netto verdienen und wenn se Arbeitslosengeld kassiert hätten se über 1200 gehabt und müssten nicht noch die fahrtkosten davon selber bezahlen. Sodass die jetzt finanziell schlechter gestellt, wenn sie jetzt die verträge angenommen haben und die haben natürlich das Problem, wenn sie jetzt nicht noch ne frau haben, die relativ viel Geld verdient, dass die been über kurz oder lang ihre Häuser nicht halten können. Viele von dneen haben sich über die Jahre ein eigenes Haus gebaut und haben jetzt natürlich Existenzängste, weder die Bundesregierung tut da irgendwas, noch die Arbeitgeber noch Vedi, da kommen Lippenbekenntnisse rüber, wenn man mit denen über Politik redet, aber sonst ehm, dass die da wirklich konkret Hilfe leisten ist eigentlich selten.
F: Das müssen die Arbeiter selbst in die hand nehmen, sagst du ?
H: Ohne Selbstorganisation läuft da nicht viel, also wie gesagt, wir haben mit vielen Politikern gesprochen, da gab es ein "Wirsetzenunsmalzusammenundtuenwas" aber wie gesagt, wirklich viel kommt da nicht, es sind hier und da mal kleine Verbesserungen aber im Großen und Ganzen tut sich nix.
Wobei man dazu sagen müsste unser Hauptarbeitgeber ist ja eigentlich die BLG, die gehört ja zu 50,4 % dem Land Bremen, Bremen regiert die SPD und von daher könnte die natürlich als größter Aktionär auch weil es eine Tarifautonomie gibt, können die natürlich da einschreiten und sagen "Dumpinglöhne soll es bei uns nicht geben" so, da kommt natürlich nix, weil die sich da gut, sagen, die obersten Bosse bei der BLG, egal ob es jetzt ein Herr Aden oder ein Mecklenburg ist, der da Personaldirektor ist, der hat da das passende Parteibuch, der sitzt oben bei der SPD so und die klüngeln natürlich miteinander rum und da hat man wohl wenig Chancen, dass die viel für uns tun werden, die werden ihre eigene Politik vertreten und die werden sich ja nicht gegenseitig angreifen und zerfleischen.
Dementsprechend gibt es hier und da Kleinigkeiten, aber im Großen und ganzen bringt uns die Politik nicht weiter.
Da muss man sich selbst organsisieren.
F: Ja. Was siehst du als Zukunftsperspektive fürs Kommittee, was würdest du dir da wünschen ?
H: Als Zukunftsperspektive haben wir uns versucht zu vernetzen, mit anderen Gruppen und Personen, wir sind beim krisenbündniss und beim Jourfixe aktiv geworden, haben gewisse Hildestellungen bekommen, können dadurch zusätzlich Leute kriegen wenn wir eine demo planen das da aus den kreisen die Leute hinzukommen, dass man öffentlich mehr wahrgenommen wird, weil um so mehr man vernetzt ist, umsomehr Leute kriegen mit was da schief läuft.
Wir beteiligen uns auch bei den Bremer Schleckerflashmobs, die bei XL-Schlecker stattgefunden haben und dadurch dass man sich dort beim offenen Mikrophon Redebeiträge machen kann, gibt es natürlich auch Leute, die sich für Schlecker interessieren, die zum ersten Mal hören, was im hafen vor sich geht, was für Erstaunen sorgt teilweise auch für neue Kontakte, man lernt beim Jourfixe [Jurfix] einiges über Gewerkschftsabreit wie Gewerkschaften arbeiten müssten und wie Gewerkschaften wie Verdi eigentlich arbeiten, ist ein ziemlich großer Unterschied.
F: Wie hat die Selbstorganisation eigentlich an sich unter den Arbeitern Fuß fassen können ?
H: Wir haben zuerst eine Informationsveranstaltung gemacht, vor der wir Flyer verteilt haben, damit die Leute was da stattfand, dass dabei die Wahl des Komittees stattfinden sollte.
Dann haben wir eine eigene Internethomepage eröffnet, die Adresse kennste ja, kannste ja auch reinschreiben, und dadurch hat man ja auch ein Gästebuch mit eingebaut, wo jeder schreiben kann wann ihm irgendwas auffällt, der sich irgendwie kudtun will mit dem was ihm nicht passt, oder was wieder teilweise in den Häfen ablief, es is ja teilweise auch letztes jahr so gewesen, dass se die Stammbelegschaft zu hause gelassen haben, weil se ja die Änderungskündigungen rechtfertigen müssen, und dann ham se gesagt ja hier : Die Stammbelegschaft lassen wir zu hause, und ham se auf der anderen Seite "Rote Karten-Tagelöhner" die wurden gezielt eingesetzt, haben die Arbeit von der Stammbelegschaft übernommen, um die Arbeit fertig zu kriegen. Weil im Prinzip genug Arbeit für die Leute da war, aber es wurden die Leute aus ihren festen Abteilungen wo sie über jahre hinweg gearbeitet haben, sind rausgerissen worden um die Änderungskündigungen, sagen zu können das die sein mussten, weil nicht genug Arbeit da gewesen wäre, aber die wurde nur von anderen Leuten gemacht. Da würde ich den roten Karten auch nix vorwerfen, weil die ja darauf angewisesn sind. Viele arbeiten schon jahre regelmäßig auf Rote Karte und die sind auch auf das Geld angewiesen, und sind auch immer als Kollegen gesehen worden und sollen auch ihre Arbeit haben, bloß es ist nicht einzusehen , dass die Stammbelegschaft wegrationalisiert wird und dafür wurden auch nioch zusätzliche rote karten eingestellt weil man , das personal brauchte und Bremen mit diesen 1110 Änderungskündigungen, da wird jetzt immer mehr die Job AG als Billigzeitarbeitsfirma reingeholt, die die Leute für 5,5 € bis 7,5 €
F: Das ist was ihr mit Unterwanderung durch Fremdfirmen meintet, ne ?
H: Genau, da gibt es in Bremen im Logistikbereich, dass Leute in JobAG noch billiger beschäftigt werden, sodass Kollegen unter Druck gesetzt werden, so nach dem Motto "Wenn ihr die Änderungskündigungen nicht annhemt" oder die Leute mit Zeitverträgen "Wenn die nicht gut genug arbeiten" werden die beim GHB rausgeschmissen und übere JobAG wieder neu eingestellt. Also das ist gängige Praxis, es gab sogar einen Kollegen mit Festvertrag der die Änderungskündigung nicht angenommen hat, der vom Arbeitsamt gebeten wurde sich bei der JobAG vorzustellen und der hätte am gleichen tag seine Arbeitslosigkeit beenden können, er wäre gleich übere JOBAG an seinen alten Arbeitsplatz geschickt worden. zu noch weniger Geld, wie er vorher durch Änderungskündigung verdient hätte. Also das sind Sachen, was eigentlich nicht sein darf.
F: ... und dann habt ihr euch zusammengesetzt ?
H: Ja wir machen immer mal ne Demo und ehm Infoveranstaltung schreiben Berichte aufer Internetseite, geben auch die Infos an den Betriebrat weiter, wenn da sachen die nicht funktionieren können um da Druck aufzubauen, damit diese Sachen wieder behoben werden.Wobei man sagen muss, die hafenarbeiter brauchen eine hafenerbeiterkarte, und über die Leihfirma JAFU arbeiten Leute im hafen die eigentlich gar keine Hafenarbeiterkarte besitzen können und fahren da Auto.
F: ... und du hast dann vom Komittee gehört, oder warst du von Anfang an dabei ?
H: Ich war nicht von ANfang an dabei, ich bin erst durch die demos darauf aufmerksam geworden, durch Presse, weil ich auch Verwandtschaft in Bremerhaven habe und die haben mir erzählt dass da die kollegen vom ghb aufe straße gehen wollen wegen diesen Änderungskündigungen die da waren - und dann hab ich mir gedacht "Jawohl, endlich mal Kollegen die was tun, da geh ich mal hin" und hab mich solidarisch gezeigt und bin mal nach Bremerhaven gefahren für die Demo und hab mit den Kollegen vom Komittee die ersten Gespräche geführt.
F: ... und dann hast du da auch mitgemacht ?
H: ja, ich hab gesagt, wir müssten sowas in Bremen auch haben, weil es da auch Tendenzen gibt dass die GHB Kollegen in Zukunft deutlich leiden werden, weil da die neuen tarife, da war schon irgendwas im Busch, keiner wusste was konkretes, und dementsprechend, war das klar das wir auch eine selbstorganisation brauchen weil die Öffentlichmachung von betrieblicher und gewerkschaftlicher Seite nicht richtig funktioniert hat.
Und das kriegt man nur durch Selbstorganisation hin, so gibt es viele Leute, die auch nich im Komittee mit drinne sind, aber uns mit anderen Informationen versorgen, sei es andere gruppe, sei es andere Hafenarbeiter.
Das Beispiel des Hafens in Bremen und Bremerhaven zeigt uns neben vielen Dingen: Die Arbeiterschaft strebt nach Selbstorganisation und sucht sich Lösungsmöglichkeiten auf einem basisdemokratischen Wege. Das muss sie deswegen tun, weil Staat und Gewerkschaften, die konform mit kapitalistischer Wirtschaftsweise gehen, sie Hand in Hand ausbeuten.
Nun Marco und wie ihr alle heißt, die ihr alles schafft, aber dafür nur Tritte erntet - kämpft weiter und wir wünschen euch allen Erfolg dieser Welt !!!
Dank für ein aufrüttelndes Interview geht an Marco Haar," Wir sind der GHB".
von Marcel Faust
26.02.2010
E-Mail an fauhb -ät- fau.org



